Wie viel Text darf auf eine Folie?
Stellen Sie sich vor, Ihnen wird eine derartige Folie gezeigt. Was werden Sie machen? Sie stehen nun vor der Entscheidung: Lesen Sie den Text oder hören Sie dem Präsentator zu? Manche Präsentatoren machen es Ihnen leicht: sie lesen ohnehin selbst den Text vor. Das führt allerdings direkt zu Langeweile.
Um 49 Wörter still zu lesen brauchen Sie ungefähr acht Sekunden. Versuchen Sie es, der vorherige Absatz hat genau 49 Wörter. Acht Sekunden, in denen Sie nicht zuhören. Und dabei haben Sie den Text nur gelesen, noch nicht über seinen Sinn oder die Inhalte nachgedacht. Ist der Text in verschiedene Sinneinheiten gegliedert, werden Sie noch einmal länger zum Lesen und Nachdenken brauchen. Deshalb zunächst meine Empfehlung: verwenden Sie nur Stichwörter, noch besser sind Bilder. Denn klare Bilder können Zuhörer aufnehmen auch während der Präsentator spricht.
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Lesen und Zuhören geht nicht gleichzeitig.
Die amerikanische Variante mit 4 x 4, also maximal sechzehn Wörter, ist schon etwas besser. Doch auch das kann ich nicht uneingeschränkt empfehlen. Steve Jobs, CEO von Apple, hat schon oft die radikale Variante eingesetzt, mit großen Erfolg: auf jeder Folie steht genau ein Stichwort, wo möglich sogar nur ein Bild oder Symbol. Der nächste Punkt steht auf der nächsten Folie. Das erhöht die Anzahl der Folien — weswegen ich auch keine Grenzen bei der Anzahl setze — und reduziert gleichzeitig die Textmenge. Es entsteht keine Ablenkung mehr, das Lesen dauert einen Bruchteil einer Sekunde.
Wörter sind generell keine Visualisierung. Sprache und erst recht Schrift spielt eine absolut untergeordnete Rolle beim Memorieren von Information. Der Mensch speichert vorwiegend Bilder, Geräusche und vor allem Emotionen. Er ist ungefähr sechs Millionen Jahre alt, Sprache dagegen keine 200.000 Jahre, evolutionshistorisch also sehr jung. Zudem muss jeder Mensch Sprache und Schrift mühsam erlernen, Emotionen, Bilder und Geräusche sind präsent. Wenn Sie Wörter nutzen müssen, dann reduzieren Sie die Menge auf Stichworte. Vielleicht schaffen Sie es mit einem Stichwort pro Aufzählungspunkt. Denn die Zuhörer sollen nicht lesen sondern Ihnen zuhören.
Texte müssen Unterstützung sein, nicht Ablenkung!
Die Anzahl der Folien zu begrenzen, ist ebenso Quatsch. Zwar gilt: je weniger Folien, desto besser. Doch das oben genannte Beispiel zeigt, dass auch viele Folien mit wenig Inhalt funktioniert. Eine herkömmliche Folie benötigt allerdings normalerweise mindestens zwei Minuten Zeit, um besprochen und verstanden zu werden.
Ihr Michael Moesslang
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